Antikörper (Immunglobuline)

Humane Antikörper, auch Immunglobuline genannt, sind Proteine, die von unserem Körper selbst gebildet werden. Sie sind dabei ein elementarer Bestandteil unseres Immunsystems.

Was machen Antikörper?

Antikörper übernehmen eine wichtige Aufgabe im Organismus. Unser Immunsystem setzt sie ein, um Krankheitserreger wie Viren und Bakterien zu bekämpfen. Antikörper bestehen aus Proteinen (Eiweiße) und werden von ausgewählten weißen Blutzellen, den sogenannten Plasmazellen hergestellt.

Den entscheidenden Anstoß zur Produktion von Antikörpern geben B-Lymphozyten, auch B-Zellen genannt, sobald unsere B-Zellen mit einem Virus oder Bakterien oder einem anderen Fremdkörper in Kontakt kommen.

Im weiteren Verlauf entwickeln sich aus den B-Lymphozyten Plasmazellen. Diese wiederum schütten große Mengen von Antikörpern aus. Dabei kann unser Immunsystem auf Viren, Bakterien, Gifte oder Allergene wie Pollen reagieren.

Immunglobuline: Einteilung

Es gibt viele verschiedene Typen von Immunglobulinen. Dabei ist ihre unterschiedliche Struktur auschlaggebend. Damit unser Immunsystem die Krankheitserreger abwehren kann, muss die Struktur des Antikörpers auch zu dem jeweiligen Fremdstoff (Antigen) passen. Um möglichst viele verschiedene Kombinationen (Antikörperstruktur gegenüber dem passenden Antigen) produzieren zu können, besitzt unsere Körper eine große Anzahl verschiedener Antikörper.

Für uns Menschen sind vier Arten von Antikörpern besonders wichtig. Dazu zählen:

  • Immunglobulin A (IgA)

  • Immunglobulin G (IgG)

  • Immunglobulin E (IgE)

  • Immunglobulin M (IgM)

Darüber hinaus gibt es die fünfte Immunglobulin-Klasse IgD.

Immunglobulin A (IgA)

Immunglobulin A (IgA) ist dort aktiv, wo unser Körper in der Regel als erstes mit den Erregern in Kontakt kommt. So bekämpft dieser Antikörper-Typ unerwünschte Antigene, z.B. Viren und Bakterien an den Eintrittspforten. Dazu zählen zum Beispiel Schleimhäute der Nase oder im Rachenraum, sowie im Verdauungssystem.

Mit Blick auf alle Antikörper in unserem Organismus nimmt Immunglobulin A etwa einen Anteil von 10-15 % ein. Neben dem Nachweis im Blut ist das IgG-A auch im Genitalbereich, der Tränenflüssigkeit und im Verdauungssystem nachweisbar.

Immunglobulin G (IgG)

Immunglobuline G (IgG) sind mengenmäßig am häufigsten vertreten (60-80 % der Antikörper). Sie sind in der Lage, den Organismus vor Viren und Bakterien zu schützen. Immunglobuline G sind jedoch nicht direkt bei der Erstinfektion eines Erregers vorhanden. Die Bildung geschieht zu einem späteren Zeitpunkt, im Verlauf der Infektion.

Immunglobulin G besitzt die außerordentliche Fähigkeit, neben den B-Lymphozyten, das Immungedächtnis aufrechtzuerhalten. Wenn unser Körper erneut mit dem Krankheitserreger in Kontakt kommt, werden diese Antikörper wieder schnell neugebildet.

Immunglobulin E (IgE)

Immunglobulin E (IgE) dient der Abwehr bei Befall von Parasiten oder Darmbakterien. Zudem ist dieser Antikörper-Typ an allergischen Reaktionen beteiligt. Immunglobulin E stellt nur einen geringen Teil der Antikörper dar, etwa 0,1 %, und wird im Gegensatz zu den anderen Immunglobulinen in der Einheit U/dl gemessen.

Immunglobulin M (IgM)

Die Ausschüttung von Immunglobulin M (IgM) findet als erstes statt, wenn unser Körper mit fremden Stoffen in Kontakt gerät. So können Mikroorganismen wirksam abgewehrt werden. Im Anschluss an die akute Phase reduziert sich die IgM-Konzentration in unserem Organismus, da die IgG-Antikörper nun gebildet worden sind und die Abwehr fortführen.

Wie können Immunglobuline bei Erkrankungen helfen?

Die Arbeit der Antikörper greift ineinander. Sie wirken an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten. Sie gewährleisten aktive Abwehrmaßnahmen vom Erstkontakt bis zur Bekämpfung der Infektion oder z.B. einer Allergie.

Immunglobuline lassen sich auch ganz gezielt bei Erkrankungen therapeutisch als Arzneimittel einsetzen, insbesondere das Imunglobunlin G steht als Arzneimittel in verschiedenen Formulierungen zur Verfügung. Da Blut und auch Blutplasma nicht künstlich hergestellt werden kann, ist die Plasmaspende für viele Menschen lebensnotwendig. Nur durch die Plasmaspende können Arzneimittel mit IgG hergestellt werden. Diese Arzneimittel dienen der Vorbeugung von lebensgefährlichen Infektionen und Behandlungen von Immunerkrankungen.

Antikörperkonzentration im Blut

Bei einem Verdacht auf eine konkrete Erkrankung findet auch eine Bestimmung von Antikörperwerten im Blut statt. Um einen Immundefekt abzuklären, werden die Konzentration der Immunglobulin-Klassen im Blut erstellt. Die Bestimmung ist jedoch nicht Teil einer Routine-Blutuntersuchung. Beim Plasmaspenden findet allerdings in regelmäßigen Abständen die Messung der Immunglobulin-G-Konzentration statt. Somit können Plasmaspender;innen ihre IgG-Konzentration regelmäßig überprüfen.

Was sind Normalwerte der einzelnen Immunglobuline?

Immunglobulin

Referenzbereich

Einheit

Besonderheiten

IgA

70-400

mg/dl

In niedriger Konzentration auch im Speichel nachweisbar.

IgG

700-1600

mg/dl

 

IgE

Bis 220

U/ml

 

IgM

40-280

mg/dl

Bei Männern liegt der Referenzbereich niedriger (40-230 mg/dl).

Immunglobulinwerte: Worauf deuten zu hohe oder niedrige Werte hin?

Wenn wir zu hohe oder zu niedrige Immunglobulin-Werte haben, kann das auf verschiedene Ursachen hinweisen.

Immunglobulin

Zu hoher Wert (Hinweis auf)

Zu niedriger Wert (Hinweis auf)

IgA

Lebererkrankung, Autoimmunerkrankung

Nierenerkrankung, IgA-Antikörpermangelsyndrom

IgG

Lebererkrankung, chronische Infektion, Multiple Sklerose

Nierenerkrankung, Leukämie, zu intensive Plasmaspendetätigkeit (erste Stelle)

IgE

Heuschnupfen, Neurodermitis, Asthma, (Allergien insgesamt)

Nierenerkrankung

IgM

Leukämie, akute Infektion, Lebererkrankung, Autoimmunerkrankung

Nierenerkrankung

 

Bei einigen Menschen liegt die IgG-Konzentration in ihrem Blut allerdings schon von Natur aus unter dem Referenzwert. Diese Menschen können leider nicht zur Plasmaspende zugelassen werden.

Fragen zu Antikörpern und der Plasmaspende

Bestehen Risiken für mich, wenn ich häufig Plasma spende?

Es könnte das Risiko bestehen, dass bei zu häufigen Plasmaspenden zu viele Immunglobuline und andere Proteine aus dem Blut entfernt werden, die der Körper nicht schnell genug nachbilden kann. In diesem Fall müssen längere Spendeabstände eingehalten werden.

Wie schnell bildet der Körper IgG nach?

Die Nachbildung von IgG ist individuell sehr unterschiedlich und kann nicht beeinflusst werden. Durch regelmäßiges Messen des IgG empfehlen wir unserer Plasmaspendern;innen individuell angepasste Spendeabstände.

Verändert sich der IgG-Wert durch häufiges Plasmaspenden?

Ja, es bildet sich bei regelmäßigen Spendeabständen eine IgG-Konzentration im Blut des Spenders, die unterhalb des Wertes liegt, die vor der Plasmaspendetätigkeit gemessen wurde. Unter Laufender Plasmapsendetätigkeit bleibt die IgG-Konzentration dann aber konstant.

Hat eine jahrelange Plasmaspendetätigkeit langfristig Auswirkungen auf meinen IgG-Spiegel?

Nein, nach Beendigung der Plasmaspendetätigkeit steigt der IgG-Spiegel im Blut wieder genau auf den Wert, der vor Aufnahme der Plasmaspendetätigkeit gemessen worden ist.

Warum wird nur das IgG gemessen, wenn es doch noch andere Immunglobuline gibt?

Die Richtlinien der deutschen Hämotherapie setzt nur die Messung der IgG-Konzentration voraus. Darüber hinaus wird aber auch das Gesamteiweiß bei mindestens jeder 5. Plasmaspende gemessen.

Kann ich die Antikörperbildung meines Körpers fördern?

IgG wird ausschließlich von weißen Blutkörperchen in unserem Körper gebildet. Die Bildung kann nicht beeinflusst werden.

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