Zuletzt aktualisiert am:
Unterteilung: Verschiedene Formen von Leukozyten
Leukozyten lassen sich nach Aussehen und Funktion in verschiedene Gruppen unterteilen. Alle weißen Blutkörperchen werden aus Stammzellen im Knochenmark gebildet. Die weitere Entwicklung verläuft in Lymphknoten, Milz und anderen lymphatischen Organen. Nach ihrer Reifung gelangen die Leukozyten in den Blutkreislauf, zirkulieren zwischen Blut, lymphatischen Organen und Geweben und können bei Bedarf in das Gewebe einwandern. Durch spezielle Wachstumsfaktoren bilden sich die unterschiedlichen weißen Blutkörperchen heraus. Sie haben unterschiedliche Methoden, gegen Krankheitserreger vorzugehen und sie ergänzen sich dabei gegenseitig.
Verschiedene Formen von Leukozyten
In der Stammzelle haben Leukozyten ihren Ursprung. Deine gesamten Leukozyten entstammen dieser Vorläuferzelle, die sich im Knochenmark befindet. Erst durch spezielle Wachstumsfaktoren bilden sich die unterschiedlichen weißen Blutkörperchen wie Granulozyten, Monozyten und Lymphozyten heraus.
Was sind Granulozyten?
Granulozyten verdanken ihren Namen der Tatsache, dass sich in ihrer Zellflüssigkeit Körnchen (Granula) befinden. Sie werden zum unspezifischen, angeborenen Immunsystem gezählt. Die Granulozyten wandern nur wenige Stunden nach ihrer Herstellung aus dem Blut ins Körpergewebe und greifen Krankheitserreger an, um sie unschädlich zu machen. Insbesondere in den Schleimhäuten sorgen sie dafür, dass Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten abgewehrt werden. Um Eindringlinge zu bekämpfen, umschließen die Fresszellen die „Krankmacher“ und verdauen sie, was als Phagozytose bezeichnet wird. Zudem sind Granulozyten dafür zuständig, abgestorbene Körperzellen zu beseitigen. Des Weiteren nehmen sie bei Körperreaktionen wie Entzündungen wichtige Aufgaben wahr. Man kann verschiedene Formen von Granulozyten unterscheiden:
- Finden im Körper bakterielle Infektionen statt, erhöhen sich vor allem die Werte der neutrophilen Granulozyten. Sie sind mit einem Anteil von 60-70 Prozent am stärksten vertreten und sind z.B. auch an der Eiterbildung beteiligt.
- Die Konzentration der eosinophilen Granulozyten (1% bis 6%) ist vor allem bei allergischen Reaktionen im Blut erhöht. Außerdem spielen sie eine wichtige Rolle bei der Steuerung von Entzündungsreaktionen, sowie bei der Abwehr von Parasiten und Virusinfektionen.
- Basophile Granulozyten (0% bis 2%) spielen vorwiegend eine wichtige Rolle bei der Steuerung allergischer Reaktionen, wie z.B. beim Heuschnupfen.
Was sind Monozyten?
Monozyten (2% bis 6%) stellen die größten Zellen im Blut dar. Auch sie halten sich
nur wenige Tage im Blutgefäßsystem auf, bis sie in die Organe abwandern, um sich
dort in Makrophagen zu transformieren. Als große Fresszellen sind Makrophagen
dafür zuständig, Fremdkörper und Gewebetrümmer zu verdauen. Durch ihre Arbeit
wirken sie anregend auf die Lymphozyten und damit auch auf die gezielte Abwehr
von Fremdstoffen, insbesondere von Infektionserregern.
Was sind Lymphozyten?
Lymphozyten (20% bis 30%) nehmen eine entscheidende Rolle bei der gezielten Immunabwehr ein, denn sie sind in der Lage, krankmachende Organismen wie Bakterien und Viren zu erkennen. Im Anschluss daran bilden sie Antikörper (Eiweiße, die körperfremdes Gewebe erkennen und binden können), um die Eindringlinge unwirksam zu machen oder sie zu zerstören. B- und T-Lymphozyten sind spezialisierte weiße Blutkörperchen:
- B-Zellen reifen im Knochenmark und bilden Antikörper. Im weiteren Verlauf entwickeln sich aus den B-Lymphozyten Plasmazellen. Diese wiederum schütten große Mengen von Antikörpern aus. Dabei kann unser Immunsystem auf Viren, Bakterien, Gifte oder Allergene wie Pollen reagieren
- T-Zellen reifen im Thymus und steuern die Immunantwort oder zerstören infizierte Zellen.
Einige Lymphozyten haben eine ganz besondere Fähigkeit: Sie fungieren als Gedächtniszellen und können sich die Zusammensetzung von Erregern merken. Dank dieser Gedächtniszellen leidet man an manchen Krankheiten nur einmal im Leben. Darüber hinaus richtet sich die Aktivität der Lymphozyten auch gegen veränderte körpereigene Zellen, z.B. Tumorzellen.

Funktion: Warum die weißen Blutkörperchen so wichtig sind
Auch wenn es uns nicht bewusst ist, sind wir tagtäglich vielen krankmachenden Erregern ausgesetzt. Die Leukozyten schützen den Körper vor Eindringlingen und damit vor vielen Krankheiten. Die weißen Blutkörperchen sind an verschiedenen Stellen im Organismus nachweisbar. Dazu zählen Blut, Gewebe, Schleimhäute, Organe und Lymphknoten. Ihre Aufgabe besteht unter anderem in der Erkennung körpereigener und körperfremder Strukturen. Erstaunlich ist, dass viele Leukozyten sich aktiv fortbewegen können und sich auf diese Weise im Gewebe verteilen.
Leukämie: wenn die weißen Blutkörperchen erkranken
Unter dem Begriff Leukämie (oft auch als „Blutkrebs“ bezeichnet) werden verschiedene Krankheitsformen zusammengefasst. Es handelt sich um eine bösartige Erkrankung der weißen Blutzellen. Sie beginnt im Knochenmark, dem blutbildenden Organ des Körpers. Von dort aus kann die Krankheit alle Körperorgane befallen. Durch eine Reifungsstörung vermehren sich unfertige Zellen praktisch explosionsartig und verdrängen die roten, weißen „gesunden“ Blutkörperchen und die Blutplättchen. Mithilfe des Blutkreislaufs können die erkrankten Blutkörperchen das Körpergewebe erreichen, sich dort niederlassen und weiter vermehren, was zu dem Krankheitsgeschehen beiträgt.
Wann ist es sinnvoll, die Leukozyten zu bestimmen?
Wenn deine Ärztin oder dein Arzt eine Infektionskrankheit bei dir vermutet, wird eine Leukozyten-Messung veranlasst. Insbesondere bakterielle Infektionen lassen die Leukozyten ansteigen. Fachleute bezeichnen das als Leukozytose. Einige Viren, die beispielsweise bei einer Masern- oder Influenzaerkrankung nachweisbar sind, können zu einer Absenkung der Leukozyten führen – dann liegt eine Leukopenie vor. Aber auch bei dem Verdacht auf Blutbildungsstörungen oder Autoimmunerkrankungen kann eine Bestimmung der Leukozyten sinnvoll sein.
Bei uns wird bei jeder 14. Plasmaspende ein Blutbild gemacht. Damit wird auch die Anzahl der Leukozyten bestimmt.
Wie wird die Anzahl der Leukozyten im Blut gemessen?
Mithilfe einer Blutentnahme kann die Anzahl der Leukozyten im strömenden Blut ermittelt werden. Zunächst wird ein kleines Blutbild durchgeführt, um die Gesamtzahl der weißen Blutkörperchen zu erfassen. Stellen sich diese Werte als auffällig dar, kann zusätzlich ein Differenzialblutbild veranlasst werden. Dabei lassen sich die Unterformen und die jeweilige Anzahl ermitteln. Diese Untersuchungsform gibt Hinweise darauf, ob du womöglich an einer Entzündung oder Infektion leidest. Auch bei Immundefekten oder Leukämien stellt sich das Differenzialblutbild verändert dar.
Leukozyten: Welche Werte sind normal?
Bei gesunden Erwachsenen liegt die Untergrenze bei 3 000 und die Obergrenze bei 11 000 Zellen pro Mikroliter Blut, wobei leichte Abweichungen je nach Labor möglich sind. Bei Säuglingen und Kindern sind deutlich höhere Werte normal.
Worauf deuten zu niedrige Leukozyten-Werte hin?
- Autoimmunerkrankungen
- Krebserkrankungen
- Knochenmarkerkrankungen
- Virusinfektionen
- Arzneimittel wie Rheumamedikamente, spezielle Antibiotika und Schmerzmittel können zur Senkung der Leukozytenanzahl führen.
Worauf deuten zu hohe Leukozyten-Werte hin?
- Infektionskrankheiten, insbesondere mit Bakterien
- Tabakkonsum
- Stress
- gesteigerte körperliche Belastung
- Schwangerschaft
- Knochenmarkerkrankungen, z.B. Leukämie
- bestimmte Medikamente wie z.B. Kortison, Lithium und Epilepsiearzneimittel
Gut zu wissen!
Bei der Plasmaspende erhält dein Körper die zellulären Bestandteile des Blutes – auch die Leukozyten – weitestgehend zurück. Dadurch bleibt in der Regel die Anzahl der Leukozyten in deinem Blut unverändert.
Weiterführende Informationen und Quellen zu Leukozyten
- https://www.kompetenznetz-leukaemie.de/content/patienten/leukaemien/blut_und_blutbildung/
- https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/leukaemie/bestandteile-und-funktion-des-blutes.html
- https://www.leukozyten-info.de/erkrankungen-der-leukozyten.html
- https://www.apotheken-umschau.de/laborwerte/leukozyten
- https://www.gesundheit.gv.at/labor/laborwerte/blutbild/blutbild-10-leuko2-hk
- https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-202011/wie-das-blut-sich-zusammensetzt/
- https://www.drk-blutspende.de/spenderservices/leukozyten.php
- https://www.dak.de/dak/gesundheit/leukaemie-wenn-das-blut-an-krebs-erkrankt-2073260.html
Alle Inhalte/Einträge unseres Plasmaspende-Glossars sind von Experten verfasst und von unserer ärztlichen Direktion hinsichtlich ihrer Richtigkeit überprüft.
