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Welche Plasmaproteine gibt es im Blutplasma?
Mediziner teilen Plasmaproteine in fünf Gruppen ein. Rund 60 Prozent entfallen auf die Albumine, die damit die größte Gruppe darstellen. Den Rest machen verschiedene Globuline aus, die eine unterschiedliche Form und Größe aufweisen. Dabei lassen sich unterscheiden:
- alpha-1-Globuline
- alpha-2-Globuline
- beta-Globuline
- gamma-Globuline (Immunglobuline, auch IgG)
Jede Untergruppe besteht ihrerseits aus zahlreichen weiteren Plasmaproteinen. Mithilfe einer Elektrophorese kann man diese Proteine trennen, differenzieren und messen.
Woraus bestehen Plasmaproteine?
Plasmaproteine bestehen aus Eiweißen und Zucker, die sich allerdings im Einzelnen stark voneinander unterscheiden. Entscheidend für den Aufbau sind die Aminosäuren. Diese liegen in jedem Plasmaprotein in einer eigenen Anordnung vor, der Aminosäuresequenz. Manche Aminosäuren bildet der Körper selbst, andere müssen mit der Nahrung zugeführt werden.
Die Plasmazellen des Immunsystems bilden Gamma-Globuline, alle anderen Plasmaproteine produziert die Leber.
Welche Funktion übernehmen die einzelnen Plasmaproteine?
So unterschiedlich die Plasmaproteine vorliegen, so vielseitig sind auch deren Aufgaben. Zusammenfassend kann man deren Funktionen wie folgt beschreiben:
- Immunabwehr
- Transport
- Blutgerinnung
- Flüssigkeitshaushalt
- Pufferfunktion (pH-Wert konstant halten)
Funktion der Albumine
Albumine sorgen für eine gleichmäßige Flüssigkeitsverteilung im Körper, indem sie Wasser binden. Dadurch stellt der Körper einen konstanten Flüssigkeits- und Stoffaustausch zwischen Zellen und Zellzwischenräumen (Interstitium) sicher, sodass das Blutvolumen konstant bleibt. Darüber hinaus dient Albumin als Puffer für den pH-Wert des Blutes. Zudem transportieren Albumine Stoffe, die nicht wasserlöslich sind und somit nicht frei im Blut zirkulieren können. Dazu gehören u. a. bestimmte Vitamine, Hormone, Spurenelemente und Arzneimittel. Nach Einnahme bestimmter Medikamente sorgen Albumine dafür, dass diese auch an ihren Wirkort gelangen.
Funktion der alpha-1-Globuline
Alpha-1-Globuline übernehmen Trägerfunktionen. Sie transportieren z.B. Lipide und die Hormone Kortisol und Thyroxin. Außerdem gehören zu den Alpha-1-Globulinen die so genannten Akutphasenproteine, also Proteine, die in der akuten Phase einer Entzündung erhöht sind. Zudem übernehmen sie eine wichtige Aufgabe bei Gewebeschutz. Das in der Leber gebildete Alpha-1 Antitrypsin hemmt aggressive Enzyme, die bei Entzündungen oder durch Umwelteinflüsse freigesetzt werden.
Funktion der alpha-2-Globuline
Alpha-2-Globuline sind an Entzündungsreaktionen beteiligt. Ihnen kommt daher eine wichtige funktionelle und diagnostische Aufgabe zu. Bestimmte Plasmaproteine dieser Gruppe binden freies Hämoglobin (roter Blutfarbstoff), also solches, das nicht an rote Blutkörperchen gebunden ist.
Funktion der beta-Globuline
Beta-Globuline fungieren als Trägermoleküle im Blut. Dazu zählen z.B. Beta-Lipoprotein und Transferrin. Beta-Lipoprotein transportiert Fette wie Cholesterin, Transferrin wiederum befördert Eisen zu den Speicherstätten und dem Blutbildungssystem. Andere wichtige Eiweiße dieser Fraktion sind der Blutgerinnungsfaktor Fibrinogen und das C-reaktive Protein.
Funktion der gamma-Globuline
Die gamma-Globuline sind Teil der Immunabwehr, weswegen man sie auch als Immunglobuline bezeichnet. Sie übernehmen als Antikörper viele Aufgaben, wie z. B.:
- Erkennung und Elimination von Krankheitserregern
- Bildung einer Immunität (immunologisches Gedächtnis)
- Auslösung einer allergischen Reaktion
- Signalübertragung zwischen Immunzellen
In welcher Konzentration liegen Plasmaproteine vor?
Ein Laborparameter, mit dem die Plasmaproteine als Gruppe erfasst werden, ist das Gesamteiweiß. Anhand einer Blutuntersuchung kann der Arzt Konzentrationen der Plasmaproteine feststellen. Abweichungen in der Plasmaprotein-Konzentration können auf eine Krankheit hinweisen, allerdings handelt es sich nur in seltenen Fällen um eine gefährliche Erkrankung. Sogar eine einfache Erkältung kann zu Veränderungen führen. Die Gesamtkonzentration aller Plasmaproteine beträgt bei Erwachsenen ca. 60 – 80 g/l. Die Referenzwerte sind abhängig vom Lebensalter und vom jeweiligen Labor.
Die einzelnen Konzentrationen stellen sich wie folgt dar:
- Albumine: 40 g/l (60 Prozent aller Plasmaproteine)
- alpha-1-Globuline: 3 g/l (4 Prozent aller Plasmaproteine)
- alpha-2-Globuline: 6 g/l (8 Prozent aller Plasmaproteine)
- beta-Globuline: 10 g/l (12 Prozent aller Plasmaproteine)
- gamma-Globuline (auch IgG genannt): 6-18 g/l (16 Prozent aller Plasmaproteine)
Welche Hinweise geben veränderte Plasmaprotein-Konzentrationen auf mögliche Erkrankungen oder Zustände?
Albumin
Albumin-Wert im Blut kann z.B. aufgrund von Dehydratation erhöht sein.
Klinisch bedeutsamer ist allerdings ein verminderter Albuminspiegel (Hypoalbuminämie), der u.a. folgende Ursachen haben kann:
- Lebererkrankungen (z. B. Leberzirrhose)
- Nierenerkrankungen
- Mangelernährung
- Entzündungen (Infektionen, Tumoren)
- Verbrennungen
Im Fall einer Nierenerkrankung lässt sich das Protein auch im Urin nachweisen.
Alpha-1-Globulin
Zu einer Erhöhung der Alpha-1-Globuline kann es bei akuten Entzündungen verschiedener Ursachen kommen. Dazu zählen nicht nur akute Infektionen, sondern auch Rheuma-Schübe und andere Autoimmunerkrankungen, Darmentzündungen (z. B. Morbus Crohn), Verletzungen und Operationen. Bei längerdauernden (chronischen) Entzündungen ist eine Erhöhung seltener bzw. geringer ausgeprägt.
Starke Eiweißverluste, Lebererkrankungen oder ein angeborener Gendefekt
verursachen zu niedrige Werte.
Alpha-2-Globulin
Erhöhte Werte der Alpha-2-Globuline finden sich auch in der Akutphase einer Entzündung verschiedener Ursachen. Auch manche Nierenerkrankungen erhöhen das Alpha-2-Globulin.
Zu niedrige alpha-2-Globulin-Konzentrationen sagen meist nur wenig über den Gesundheitszustand aus und können auch bei Gesunden vorkommen. Selten stecken schwere Lebererkrankungen, Mangelernährung oder eine Blutauflösung (Hämolyse) dahinter.
Beta-Globuline
Beta-Globuline sind bei einigen Störungen im Körper erhöht, darunter
- Entzündungen
- Eisenmangel
- Fettstoffwechselstörungen (v. a. erhöhtes Cholesterin)
- Eiweißverlust durch Nierenerkrankungen
- Gallenstau
- Primäre Biliäre Zirrhose (Lebererkrankung).
Auch bei den beta-Globulinen sagen erniedrigte Werte meist wenig über deinen Gesundheitszustand aus
Gamma-Globuline (IgG)
Da es sich um Antikörper handelt, sind die gamma-Globuline vor allem bei Entzündungen, Infektionen, Krebs und Lebererkrankungen erhöht. Auch bei völlig harmlosen Infekten kann die Zahl dieser Plasmaproteine erhöht sein.
Zu wenige Antikörper hat man entweder angeboren, als später erworbene Krankheit oder als Folge anderer Krankheiten. Antikörpermangel kann zu einer Immunschwächekrankheit führen. Ursachen für erniedrigte gamma-Globulin-Werte sind:
- Störungen des Immunsystems
- Bestrahlung
- Chemotherapie
- Bestimmte Krebserkrankungen (z. B. Leukämie)
- Langfristige Kortisonbehandlung
- Zu intensive Plasmaspende-Tätigkeit
Weiterführende Informationen und Quellen zu Plasmaproteinen
- Kristin H, Lenz E. Die Medizinische Fachangestellte: Medizinische Fachkunde. Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover, 2008
- Gründer S, Schlüter KD. Physiologie hoch 2. Urban & Fischer Verlag, München, 2019
- Behrends JC, Bischofsberger J, Deutzmann R, Ehmke H, Frings S, Grissmer S, et al. Physiologie (Duale Reihe), Thieme Verlag, Stuttgart, 2010
- https://www.blutwert.net/proteine/
- https://www.amboss.com/de/wissen/Blut_und_Blutzellen
Alle Inhalte/Einträge unseres Plasmaspende-Glossars sind von Experten verfasst und von unserer ärztlichen Direktion hinsichtlich ihrer Richtigkeit überprüft.
