Fibrinkleber

Fibrinkleber, auch als Gewebekleber bezeichnet, ist ein sogenannter Zweikomponentenkleber. Er besteht aus biologischem Material und kommt zum Verschließen von Wunden zum Einsatz.

Was ist ein Fibrinkleber?

Fibrinkleber ist ein Gewebekleber zur Schließung einer Wunde, um eine Blutung zu stoppen. Früher verwendeten Ärzte ausschließlich Nadel und Faden, um eine Wunde zu schließen und damit eine Blutung zu stoppen.

Was sind Inhaltsstoffe eines Fibrinklebers?

Der Gewebekleber fällt unter die Bezeichnung Zweikomponentenkleber. Das bedeutet, dass zwei verschiedene Komponenten die Wirksamkeit sicherstellen. Das Besondere dabei ist, dass Fibrinkleber insbesondere biologische Substanzen vereint.

Die erste Komponente besteht aus drei Substanzen:

  • Fibrinogen

  • Faktor XIII

  • Aprotinin

Die zweite Komponente setzt auf:

  • Thrombin

  • Kalziumionen

Wie funktioniert der Gewebekleber?

Jeder Inhaltsstoff des Fibrinklebers hat besondere Eigenschaften. Diese helfen dabei, die natürliche Blutgerinnung nachzuahmen. Ziel ist es, ein Blutgerinnsel zu bilden, das die Wunde oder Verletzung abdichtet. Dabei sind vor allem die Blutgerinnungsfaktoren Fibrinogen und Thrombin behilflich.

Bei der zeitgleichen Auftragung kommt es zu einer Reaktion zwischen den Eiweißen, und ein vernetztes Fibrin entsteht: Ein gitterartiges Netz legt sich über die Wunde. Das Enzym Faktor XIIIa hilft dabei, weitere Quervernetzungen zu bilden. Rote Blutkörperchen verheddern sich dann in dem dichten Netz; ein Gerinnsel bildet sich und vermindert die Blutung.

Bei der Anwendung von Fibrinkleber läuft also der gleiche Prozess ab wie bei der natürlichen Blutgerinnung in deinem Körper. Allerdings mit dem Unterschied, dass die Konzentration der genutzten Komponenten und Faktoren im Gewebekleber viel höher ist. Dadurch ist es möglich, die Gewebeklebung mithilfe des künstlich erzeugten Blutgerinnsels schnell und zuverlässig durchzuführen.

Wie wird ein Fibrinkleber hergestellt?

Der Gewebekleber basiert auf biologischen Inhaltsstoffen, deren Gewinnung unterschiedlich abläuft:

  • Fibrinogen und Faktor XIII werden mithilfe von menschlichem Blutplasma gesammelt. Dabei kommt die sogenannte Plasmafraktionierung zum Einsatz. Mit dem Verfahren ist es möglich, Proteine aus menschlichem Blut zu extrahieren.

  • Thrombin ist durch eine Plasmafraktionierung erhältlich. Menschliches Blutplasma dient dabei als Ausgangsbasis.

  • Kalziumionen stehen in Form eines Salzes (Kalziumchlorid, Kalziumchlorid-Dihydrat) zur Verfügung.

  • Ein Blick auf die Inhaltsstoffe und Herstellung zeigt, dass menschliches Blutplasma eine überaus wichtige Rolle einnimmt. Nicht nur deshalb sind Blutplasmaspenden von großer Wichtigkeit.

Anwendungsgebiete von Fibrinkleber

Fibrinkleber lässt sich zu folgenden Zwecken einsetzen:

  • Blutstillung

  • Gewebereparatur

  • Geweberekonstruktion

Durch den Einsatz von Gewebekleber reduziert sich der Blutverlust während chirurgischer Eingriffe. Er kann auch in kleinen oder schwer zugänglichen Gefäßen zum Einsatz kommen. Mediziner haben beispielsweise die Möglichkeit, Wundränder innerliegender Organe wie Leber oder Milz abzudichten. Auch blutende Geschwüre im Magen-Darm-Trakt lassen sich punktuell und gezielt behandeln, beispielsweise im Zuge einer Endoskopie.

Auch bei Brüchen kann Gewebekleber helfen. Mediziner sind so in der Lage, das Netz, das zur Bauchwandverstärkung bei Leistenbrüchen fixiert wird, zu stabilisieren. Besonders interessant ist, dass Patienten scheinbar deutlich weniger Schmerzen haben, wenn Fibrinkleber anstatt Nähte oder Metallclips das Netz fixiert haben.

Ärzte greifen auf die relativ neue Methode zurück, um Operationen in der Schönheitschirurgie oder im Bereich der Ohrenheilkunde durchzuführen. So lassen sich winzige Gehörknöchelchen befestigen oder ein Facelifting realisieren.

Besonders häufig kommt Fibrinkleber auf der Haut zum Einsatz. Er kann dabei helfen, Hauttransplantationen (bei Verbrennungen) dazu zu bringen, gut anzuwachsen.

Die Vorteile von Fibrinkleber

Fibrinkleber besitzt ein großes Spektrum an medizinischen Einsatzmöglichkeiten. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Inhaltsstoffe gut verträglich sind und unser Organismus diese vollständig abbauen können.

Der aber wohl größte Vorteil ist, dass es keine weitere Schädigung von defektem Gewebe gibt, weil Nadel und Faden nicht nötig sind. Die Anwendung ist auch im Sinne des Patienten. Es gibt Beobachtungen, dass der Einsatz von Fibrinkleber mit weniger Komplikationen in Verbindung steht. Nicht zuletzt entstehen so unauffälligere Narben im Vergleich zu chirurgischen Nähten.

Die Risiken von Fibrinkleber

Da die Inhaltsstoffe von Fibrinkleber aus menschlichen Blutproben stammen, besteht die Möglichkeit einer Infektion mit Hepatitis B oder HIV. In Deutschland gibt es allerdings vorher eine Untersuchung der Blutspenden auf das Vorhandensein von Antikörpern und HIV-Erbmaterial. Das schließt eine Ansteckung nahezu aus.

Außerdem kommt der Körper bei der Anwendung von Gewebekleber mit körperfremdem Eiweiß in Kontakt. Dadurch kann es theoretisch zu Abwehrreaktionen kommen. Durch eine Vorbehandlung des Spenderplasmas ist auch dieses Risiko allerdings sehr gering.

Home > Glossar > Fibrinkleber